Kafka Reloaded

9. Februar 2010 - Hinterlasse eine Antwort

Ich bin vor Freude an die Decke gesprungen und habe dort einen fettigen Fleck hinterlassen …

Der von mir sehr geschätzte Reiner Stach bekommt vielleicht demnächst die Gelegenheit, den dritten und letzten Band seiner monumentalen Kafka-Biografie zu schreiben. Dieser soll Kafkas Kindheits- und Jugendjahre behandeln und Stach benötigt für seine Recherchen Unterlagen aus dem Nachlass von Max Brod. Und die liegen hinter dicken Tresortüren in Tel Aviv und Zürich.

Die Töchter von Esther Hoffe, einer Mitarbeiterin und Freundin Brods (nach bisherigem Kenntnisstand legitime Erbin) möchten den Nachlass, der unter anderem bisher unbekannte Zeichnungen von Kafka und Notizen Brods über Kafka aus der Zeit der gemeinsamen Jugend enthalten soll, an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach verkaufen.

Der Nachlass müsse in Israel verbleiben und im Archiv der Nationalbibliothek in Jerusalem seinen Platz finden, fordert nun das Israelische Staatsarchiv. Ein Familiengericht in Tel Aviv entscheidet über die Rechtmäßigkeit der Erbschaft.

24 israelische Akademiker haben sich jetzt dieser Forderung angeschlossen. In diesem Zusammenhang wurde Kafka dann auch wahlweise in die Schublade “tschechischer Jude” oder “jüdischer Tscheche” sortiert. Die ihn umgebende deutsche Kultur sei sogar einer der drängendsten Konfliktpunkte seines Lebens gewesen.

Sicher hat Kafka die vielzitierte Entwurzelung der assimilierten Juden empfunden, aber dieses Konstrukt ist dann doch zu abenteuerlich: ein sich in erster Linie als “tschechischer Jude” oder “jüdischer Tscheche” Fühlender hätte nicht wie selbstverständlich seine Ferien dazu verwendet, Goethes Gartenhaus in Weimar zu besuchen und jahrelang den Plan gehegt, nach Deutschland überzusiedeln – um dort als Autor von Texten in deutscher Sprache leben zu können (wie er es dann in tragisch selbstzerstörerischer Weise ausgerechnet als tuberkulös abgemagertes Gespenst im hungernden Berlin der Inflationsjahre versucht hat).

Daran ändern auch ein paar flüchtige Annäherungen Kafkas an den Zionismus und die hebräische Sprache nichts.

Ich drücke die Daumen – für Reiner Stach.

I Like Birds

9. Februar 2010 - Hinterlasse eine Antwort

Mit Midori hatte ich das Für und Wider in aller Sorgfalt abgewogen und endlos recherchiert. Sollten wir in die natürlichen Abläufe von Werden und Vergehen eingreifen. Durften wir?!

Unser Tatendrang setzte sich gegen unsere Skrupel durch und wir bauten ES. Unser Vogelhäuschen. Na ja, bei meinem handwerklichen Geschick wurde es nur etwas ähnliches wie ein Vogelhäuschen. Überreste des Weihnachtsbaums wurden allerdings in einer derart nachhaltigen Verantwortlichkeit in das Projekt integriert, dass mir das zur Heiligsprechung genügen sollte.

Es handelt sich nunmehr um die latent dadaistische Interpretation einer Finnhütte. Ein handelsüblicher Vogel sollte hineinpassen. Aber was ein Vogelhäuschen unbedingt sein sollte – schnee- und sturmsicher nämlich – ist unseres ausdrücklich nicht. Aber egal …

Wir kauften Vogelfutter: nicht etwa nur die billigen Sonnenblumenkerne, sondern das volle Programm – einen Rieseneimer, drei Kilogramm schwer und randvoll mit fünf Sorten Vogelzeugs.

Wir legten zwanzig Körner in unser Häuschen – mittlerweile habe ich nachgezählt – und da liegen sie nach drei Wochen immer noch. Vollständig.

Zuerst dachte ich, es könne ja durchaus eine Weile dauern, bis die Spatzen und Elstern unseren Gourmettempel finden würden. Dann überlegte ich, ob man eventuell eine Spur legen müsse. Meinetwegen bis in den Alaunpark. Endlich aber bemerkte ich: es gab gar keine Vögel. Wahrscheinlich hatte man sie alle abgeschossen oder vergiftet. Ich glaubte mich einer ungeheuerlichen Verschwörung auf der Spur.

Jetzt darf ich erleichtert Entwarnung geben: vor einigen Tagen habe ich tatsächlich wieder morgendlichen Vogelgesang vernommen und auf der Dachrinne des Nachbarhauses spazierte eine Elster entlang.

Nun warte ich darauf, dass die lieben Vögelchen bald ein paar von meinen zwanzig Körnchen fressen. Sie müssen es einfach. Egal, ob dann schon Frühling oder Hochsommer ist. Und wenn ich dafür einen Trichter nehmen und Gewalt anwenden muss!

P.S. Haben Sie sich schon einmal überlegt, dass Höhenangst keinen Sinn macht, wenn man ein Vogel ist?

P.P.S. Stellt sich bei einem Vogel die für seine Art untypische Höhenangst eventuell dann ein, wenn er sich am Flügel verletzt? Eine Frage, mit der man sich unbedingt beschäftigen sollte und eine der quälendsten der Menschheit überhaupt!

P.P.P.S. Wussten Sie, dass Höhenangst im Kern aus dem gefürchteten minimalen Impuls resultiert, man könne ja einfach von Turm, Hochhaus oder Palme hinabspringen …

P.P.P.P.S. Siegmund Freud würde dazu übrigens meinen (wie bei ähnlichen Zwangsgedanken auch), dass unser Über-Ich das Ich terrorisiert.

P.P.P.P.P.S. In Wahrheit mag ich natürlich Katzen. Ungefähr tausendmal mehr.

Lass es sein, Falk!

30. Januar 2010 - Eine Antwort

Wenn Midori (3) mein Verhalten dann doch einmal zu anstrengend findet – beispielsweise bei einem meiner 10-Sekunden-Jähzornsanfälle – wechselt sie in ihrer Ansprache vom “Papa” oder “Papi” zum im ernstesten Tonfall vorgetragenen Rufnamen: “Lass es sein, Falk! Lass es wirklich!”

Das gibt mir zu denken.