Das Ende des Geldes

Die weltweiten Finanzmärkte sind zusammengebrochen. Letzte Versuche, über grönländische Bürgschaften und Anleihen auf australische Kängurufelle in nie gekannter Größenordnung die Ausfälle zu kompensieren, sind vor zwei Wochen gescheitert. Ein paar Tage hat man noch versucht, den herkömmlichen Handel mit dem altbewährten (oder nunmehr weniger bewährten) Zahlungsmittel „Geld“ aufrecht zu erhalten. Letztlich durfte sich vor ein paar Tagen jeder seine Geldscheine selbst malen. Vorgestern hat dann die UNO den Übergang zu reinem Naturalienhandel verkündet. „Handel“ ist das falsche Wort. Richtig ist, dass jetzt eine Form von naivem Kommunismus herrscht. Jeder darf sich nehmen, was er möchte, soll sich aber bitte maßvoll zurückhalten und nicht allzu sehr über seine Bedürfnisse hinaus gehen. Was, wie wir alle wissen, zum Scheitern verurteilt ist: während sich der asketische Typus mit Brot und Milch zufrieden gibt, verspürt der etwas hedonistischere Vertreter ein unstillbares Bedürfnis, ja die existenzielle Notwenigkeit, eine Yacht zu besitzen, die ein paar Meter länger ist als Abramowitschs längste. So bin ich beispielsweise gleich mal rüber quer über die Straße zum Porsche-Autohaus, um meinem Bedürfnis nach einem weißen Porsche Carrera Genüge zu tun. Als ich die mit Maschinenpistolen bewaffneten Türwächter passiere, die offensichtlich größere Exzesse von Bedürfnisbefriedigung vermeiden sollen, entscheide ich spontan und ohne erkennbaren Zusammenhang, den Carrera doch lieber klassisch in schwarz oder silber zu nehmen.

„Herr Enderlein, Sie sind der bekanntermaßen schlechteste Autofahrer der nördlichen Erdhalbkugel. Wollen Sie sich das noch einmal überlegen mit ihrem Bedürfnis.“ sagt der Verkäufer. Auch „Verkäufer“ ist hier nunmehr das falsche Wort. Er verteilt ja nur noch. Entsprechend seinen eigenen dringenden Bedürfnissen hat er sich beide Arme bis unter die Achseln mit diversen Rolex-Daytonas bespannt. „Okay.“ sage ich und beschließe, mich erst einmal um Brot und Milch zu kümmern.

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