Krankheit zum Tode

Mir läuft die Zeit davon: diverse neue Themen sind auf dem Tableau erschienen, denen ich mich in diesem Leben gern noch widmen würde.

Da ist Planung nicht schlecht. Wenn ich weiß, wie lange ich noch zu leben habe, kann ich mir alles besser einteilen. Und für jede irgendwie statistisch fassbare Fragestellung gibt es ja mittlerweile Onlinerechner – in drei Sekunden habe ich dank Google einen für meine Zwecke gefunden.

Mmmmh – ohne übermäßig zu schummeln – komme ich auf eine Lebenserwartung von 74 Jahren. Das wären noch 38 verbleibende Jahre.
Gut: damit kann man kalkulieren: 10 Jahre für die umfassende Beschäftigung mit allen Aspekten des Mittelalters, 5 Jahre für den „Stapel dringendst zu lesender Bücher“, 2 Jahre für Klemperer, 3 Jahre für tiefgründige Lektüre zum Thema RAF abseits der Klischees, 10 Jahre für das alte Ägypten und die Antike, bleiben acht Jahre Reserve. Ok.

Was passiert, wenn ich an den Parametern drehe? Ein bisschen regelmäßiger essen – auch mal einen Apfel, dem Alkohol komplett abschwören, mich vom „Realisten“ in einen „Optimisten“ verwandeln, etwas mehr Sport als nur die lächerlichen 50 Liegestütze jeden Abend – schon gewinne ich 12 zusätzliche Jahre. Was da reinpasst: beispielsweise alle 73 Bände von Karl May lesen, drei weitere Fußballweltmeisterschaften vom Pflegebett aus verfolgen (die von Team Coca Cola, Team Rolex und Team Katholische Kirche gewonnen werden), einige Bücher vom „Stapel der dringendst zu lesenden Bücher“ des Alzheimers wegen noch einmal lesen. Toll!

Ich kann es mir ebensowenig verkneifen, die negative Variante durchzuspielen: ich verliere alle Aufträge, erhöhe meinen Alkoholkonsum auf 10 Bier am Tag, rauche 80 Zigaretten, esse ausschließlich fettigste Pizza, steigere mein Gewicht auf 150 Kilo und werde – nachvollziehbar – zum Pessimisten. Spätestens (allerspätestens) jetzt lässt sich meine Frau von mir scheiden. Meine Lebenserwartung reduziert sich auf 39, d.h. in drei Jahren wäre ich tot. Da müsste ich mein kulturelles Programm schon straffen, zwischen all den Zigaretten und Bieren, um noch einigermaßen den Plan zu erfüllen.

Und dabei berücksichtigen alle Rechnereien noch nicht einmal die – durchaus vorstellbaren – vom Dach fallenden Ziegel, Giftanschläge durch diverse Feinde, die Gefahr vom Wolf gefressen zu werden und so weiter.

Fest steht nur: mir läuft die Zeit davon. Sicherheitshalber werde ich die „Liste der dringendst zu lesenden Bücher“ einer Prüfung unterziehen. Vielleicht kann ich das eine oder andere Buch ja doch rausschmeißen.

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Ein Gedanke zu “Krankheit zum Tode

  1. northbohemian schreibt:

    Nachtrag: eine kurze Recherche hat mich lernen lassen, dass Karl Mays Werk wesentlich mehr als nur 73 Bände umfasst. Ich weiß jetzt, dass gerade die Editionsvarianten bei Karl May eine Wissenschaft für sich sind – alles sehr verworren, spannend und interessant.

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