„Sieg, großer Sieg! Ich sehe alles rosenrot.“

Am 25. Februar 1842, heute vor 167 Jahren, wurde Karl May geboren.

Vor 20 Jahren habe ich aufgehört, ihn zu lesen. Winnetou hatte ich noch in tiefster Trauer zu Grabe getragen, dann implodierte um mich herum der lächerliche Versuch eines sozialistischen Systems auf deutschem Boden und die Bücher eines gewissen Stephen King wurden erreichbar. Karl May verstaubte.

Etwas später landete auch Stephen King in der Ecke. Ich zog es nun vor, mit einem gut sichtbaren Exemplar des „Ulysses“ von James Joyce durch die Gegend zu stolzieren – einem Buch, über dessen erste 100 Seiten ich nie hinauskam.

Ich hätte mir nie träumen lassen, dass Karl May noch einmal zu einem großen Gegenschlag ausholen würde. Doch genau so ist es passiert. Er hat mich an der schwächsten Stelle erwischt: meiner Obsession für Biografien, für den Aufstieg und Fall realer Personen.

Karl Mays Biografie ist schillernd wie kaum eine andere: geboren als Kind armer Weber, blind bis zum fünften Lebensjahr, später dann eine Achterbahnfahrt von Hochstapelei, Diebstahl und Gefängnis. Erst in seinen Dreißigern bekommt er die Füße auf den Boden und erschafft sich wie ein Rasender sein eigenes Universum auf Papier. Aber auch die nun erreichte finanzielle Sicherheit schützt ihn nicht vor Schwierigkeiten. Prozesse um seine Veröffentlichungen begleiten ihn bis seinem Tod. „Sieg, großer Sieg! Ich sehe alles rosenrot.“ sind seine letzten Worte am 30. März 1912.

Noch habe ich keinen Plan, wie weit ich mich erneut in die Welt des Karl May hinein begeben will. Aber in meinem Hinterkopf glimmt der Gedanke an den Mann, der nur wenige Kilometer Luftlinie von meinem Schreibtisch entfernt in Radebeul bei Dresden begraben liegt, beständig auf und ab. Ganz ruhig und sanft, dabei aber beharrlich – wie ein MacBook im Ruhezustand.

Ich denke, in meinem Fall hat er Recht behalten mit seinem „großen Sieg“.
In der Liste der dringendst zu lesenden Bücher werden die vorderen Plätze zu seinen Gunsten geräumt und in seine Biografie werde ich mich vertiefen wie ein Irrsinniger.

Mag es auch gegen jeden Trend sein.

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