Duell mit Ingvar K.

Midori sollte für ihr Kinderzimmer (das ist es allerdings nur zu zwei Dritteln, es folgt ein schmaler Streifen Landminen, danach mein Schreibtisch) den von einem Stoffkrokodil umfassten Spiegel FABLER von IKEA bekommen. Der ist nicht online bestellbar und vor Ort nahezu immer ausverkauft. Dankbar nahmen wir den in diesen modernen Zeiten naheliegenden Service in Anspruch, uns per Mail bei frischer Lieferung informieren zu lassen. Die entsprechende Mail trudelte irgendwann ein und wie in dieser empfohlen, prüften wir online die Verfügbarkeit in der Dresdner Filiale des Kamprad-Imperiums. Diese wurde – ich zitiere – zu hundert Prozent bestätigt.

Alba und Midori kutschten in den absolut sehenswerten Elbepark, um letztlich von einer leicht komatösen Mitarbeiterin zu erfahren, dass mit der Lieferung der Krokodilspiegel erst am nächsten Tag – eventuell – zu rechnen sei. Auf die Nachfrage zur abweichenden Auskunft der supermodernen Verfügbarkeitsprüfung gab es nur ein lethargisches Schulterzucken. Meine Frau ist eine auf Harmonie zu sehr bedachte Person und fuhr mit Midori wieder nach Hause.

Ich selbst bin weitestgehend ebenfalls ein auf Harmonie bedachter Mensch, die Ausnahmen von der Regel haben es allerdings in sich. Ich griff zum Telefon und rief an beim Kamprad-Imperium. Dort sprach ich erst mit einigen Roboterstimmen, denen ich herzhaft mein gesamtes Arsenal an vulgärem Sprachmaterial entgegenschleudern konnte. Als ich endlich mit einer vermutlich aus Fleisch und Blut bestehenden Person verbunden wurde, ermüdete mich schnell die offensichtlich gut trainierte Deeskalationsrhetorik. „Wir kommen hier nicht weiter. Gib mir mal den Ingvar!“ sagte ich.

Ingvar kam ans Telefon und wir schmissen uns ein paar Beleidigungen an den Kopf. Letztlich fühlten wir uns beide so in unserer Ehre verletzt, dass wir die Ausrichtung eines Duells zu deren Wiederherstellung für unausweichlich befanden. „Ich komme morgen früh mit meinem Privatjet.“ sagte Ingvar.

„Gut.“ sagte ich. „Du bist der Ältere. Ich überlasse Dir die Wahl der Waffen.“

„Mmmmh… Lass uns nicht so brachial rangehen. Das letzte Mal konnte ich drei Wochen nicht laufen. Ich würde sagen, wir bewerfen uns mit Wiener Würstchen.“ sagte Ingvar und wünschte mir noch einen schönen Tag…

Es lag dichter Morgennebel über den Elbwiesen, als Ingvar und ich (mit einem Glas Würstchen und unserem Sekundanten) zum gewohnten Kampfplatz gingen. Dort bewarfen wir uns eine Weile mit den Original Halberstädtern. Wir merkten aber relativ schnell, dass dieses Szenario wahrscheinlich sehr albern aussehen musste und einigten uns auf den sofortigen Abbruch des Duells.

Auf dem Heimweg kramte ich wie zufällig (in Wirklichkeit aber Mitleid heischend) in meiner leeren Geldbörse. Ingvar sprang sofort darauf an und schrieb mir einen Scheck über zwei Milliarden. Ich tat so, als könne ich diesen nicht annehmen, riss ihn aber schnell aus seinen Händen und vergrub ihn tief in meinen Manteltaschen. Bevor Ingvar es sich anders überlegen konnte.

Es wurde ein wunderschöner Tag.

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Ein Gedanke zu “Duell mit Ingvar K.

  1. Athanasius Frost schreibt:

    Ich hab es immer schon gesagt: Die senden in der Telefonmöbiusschleife einen Infraschall-Gehirnerweicher zusammen mit den Roboterstimmen!

    Q.E.D. R.O.T.F.L.

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