Signals In Smoke

An einem bis dahin völlig unverdächtigen, sonnigen Aprilmorgen sehe ich auf ein und derselben Straße drei Leichenwagen unterschiedlicher Firmen, deren gleichzeitige Anwesenheit offensichtlich in keinem Zusammenhang steht. Weder ist an diesem Ort eine riesige Seniorenresidenz beheimatet, der es zuzutrauen wäre, auf einen Schlag für einen solchen Nachschub für die städtischen Friedhöfe zu sorgen, noch ist mir eine Behörde bekannt, die vielleicht so etwas wie eine Zulassungsstelle für die traurigen Kutschen sein und hier ihre Adresse haben könnte. Nicht zu erfahren, warum es diese drei Leichenwagen zur gleichen Zeit hierher verschlagen hat, macht mich rasend. Ich könnte fragen, aber das wäre pietätlos. Ohne jeden Zweifel. Lieber ertrage ich meine innere Raserei.

In der Spielecke unseres favorisierten Bioladens schaue ich mir mit Midori ein Bilderbuch an, dessen Konzept zu beinhalten scheint, dass ein und derselbe Teddybär parallel zur Haupthandlung auf jeder Doppelseite genau einmal erscheint. Und sei es, dass man nur ein Ohr sieht. Allerdings fehlt dem durch viele Kinderhände gegangenen Buch exakt eine Blatt, das wahrscheinlich für jeweils zwei Doppelseiten – einmal rechts, einmal links – den Teddy enthalten hat. Ich werde nie die Konsistenz meiner Theorie (dass jede Doppelseite mindestens einen versteckten Teddy enthält) überprüfen können – es sei denn, ich treibe irgendwo ein unversehrtes Exemplar dieses verdammten Buches auf (welches abgesehen von meinem Problem wenig Spannung und Inspiration bietet). Das macht mich rasend.

Beim Selbstbedienungsbäcker spuckt die Kasse für meinen Zucker- und Koffeinnachschub (hier alles andere als bio) den Betrag von 3,33 Euro aus. Mich fröstelt. Ein Fehler in der Matrix? Wie soll ich das um neun Uhr morgens schon verkraften. Es gibt diese Tage, die sind ruiniert, kaum dass sie begonnen haben.

Seelig die Marcel Prousts dieser Welt, die sich postwendend wieder ins Bett begeben können.

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Ein Gedanke zu “Signals In Smoke

  1. maidlyn schreibt:

    Leichenwagen und Teddybären als Indizien für die Matrix – im ersten Moment klingt das ein wenig übertrieben. Aber, hätte Kassandra ihre Theorien rechtzeitig in Nullen und Einsen bannen können, anstatt schreiend durch die Straßen von Troja zu rennen: Hätten wir ihr geglaubt?

    Eine befriedigende Antwort auf diese Frage zu finden ist genauso irreal wie der Konjunktiv, in den sie sich hüllt. Denn selbst wenn man herausfände, wie der Autor dieses Textes es mit den Göttern hält, würde uns dies nicht wirklich aus der Macht der Maschinen befreien.

    Eins jedenfalls ist Fakt: WÜRDE ich nicht ohnehin schon zu den regelmäßigen Lesern dieses Blogs gehören, HÄTTE mich der Autor spätestens hier als Abonnenten gewonnen. Und da ich mich mit den Göttern vermutlich nicht besser stehe, danke ich lieber Northbohemian für diesen wunderbar intelligenten blauen Halbedelstein im morastigen Zwischennetz. 😉

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