Ingvar ist pleite – oder – Einbruch bei Sebastian F.

Ingvar steht vor der Tür. Nachts um vier.

„Oh!“ sage ich. „Ich habe deinen Hubschrauber gar nicht gehört. Hast du dir ein noch leiseres Modell geleistet oder habe ich so fest geschlafen?“

„Weder noch …“ Ingvars Stimme klingt zerknirscht. „Ich bin ein Stück geschwommen und dann weiter mit Regional- und Straßenbahn. Ich hab mich verzockt und bin pleite.“

„Und was willst du jetzt machen?“

„Geld auftreiben. Stück für Stück. Mit dem hier fang ich an.“

Er hält mir das Foto eines jungen Mannes vor die Nase.

„Der sieht aber nett und freundlich aus.“ sage ich. Zugegebenermaßen bin ich noch nicht ganz munter.

„Ja, das ist Sebastian Fitzek. Der ist gerade in New York, wie er uns auf Twitter verrät …“

„Und …“

„Na, wir fahren nach Berlin und räumen seine Bude aus. Fünf Bestseller hat der Kerl geschrieben, da wird doch was zu holen sein.“

„Gute Idee. Wann geht´s los?“

Ingvar schaut auf seine Parmigiani (mmmh, da hat er wohl doch was am Gerichtsvollzieher vorbeischleusen können.): „Um fünf. Mit dem Bus vom Neustädter. Lass uns aufbrechen, da können wir noch einen Kaffee trinken.“

„Für mich einen ohne Koffein.“

„Werden die nicht haben …“

Später im Bus auf der Autobahn. Der Busfahrer hat zwei Rehe und zahllose Igel erlegt, Ingvar schläft noch ein bisschen, mich hat das kaum noch vertraute Koffein putzmunter gemacht. Jetzt kann ich auch Fitzeks Foto, das ich gerade wieder im hellen Morgenlicht betrachte, zuverlässig beurteilen.

„Der sieht wirklich nett aus.“ wecke ich Ingvar. „Ein bisschen wie ein Jurastudent.“

„Netter Jurastudent? Ein Paradoxon …“ murmelt Ingvar und drückt seine rechte Wange wieder gegen die Scheibe des Busses. „Hat er aber übrigens … Jura studiert, meine ich. Vor ungefähr tausend Jahren.“

Dann in Berlin: Fitzek bewohnt ein pompöses Schloss im Grünen. Mit einer Haarnadel seiner Großmutter überwindet Ingvar Alarmanlage und Tür in Sekunden: „Reinspaziert!“

Im Inneren des Hauses ist es düster und wir benötigen eine Weile, bis wir uns ausreichend orientieren können. Mir fällt eine blinkende Maschine auf, die leise vor sich hin schnurrt und irgendwie zu atmen scheint.

„Das ist sein Cliffhanger-Automat.“ erklärt Ingvar. „Da gibt er sein Expose rein und den Rest des Romans schreibt das Ding wie von selbst. Machen die mittlerweile alle so.“

Wir suchen wie verzweifelt nach teuren Gemälden oder Bargeld – aber nichts ist zu finden.

Auch sonst vorerst nichts Auffälliges. Was erwarte ich auch: Ein Konservenglas voller Augäpfel?

Dann im Bad: Ein paar Botoxspritzen. „Für seine Wangen.“ erklärt mir Ingvar. „Damit die Mundwinkel oben bleiben.“

Kurz darauf höre ich ihn aus der Küche schreien: „Komm mal her!“

Aus dem Kühlschrank tropft Blut, der Boden des Raumes ist zur Hälfte davon bedeckt.

„Mach mal auf!“ sagt Ingvar.

„Nein, du!“ sage ich.

„Nein, du.“ sagt Ingvar.

Ich öffne den Kühlschrank mit halb zugekniffenen Augen in Erwartung einer grausigen Entdeckung …

Er ist vollgestopft mit hunderten absolut identischen Fleischstücken. Ingvar kostet: „Kobe-Rind. Das teuerste Fleisch der Welt. Na, dem geht´s gut. Komm, wir suchen weiter.“

Endlich finden wir unter dem Bett eine kleine, türkisfarbene Geldkassette. Wieder kommt die Haarnadel zum Einsatz und uns beiden klappen die Kiefer nach unten.

„Das glaubt uns keiner …“ murmelt Ingvar.

… Fortsetzung hier ->

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4 Gedanken zu “Ingvar ist pleite – oder – Einbruch bei Sebastian F.

  1. Athanasius Frost schreibt:

    Ingvar und der North Bohemian sind alte Freunde…

    … und ich hoffe, die beiden hatten Erfolg. Nach den Twitter-Kommentaren hat S.F. einen Denkzettel für imageschädigenden digitalen Exibithionismus verdient. Zumindest eine Kobe-Grillorgie im Wohnzimmer wäre angebracht.

  2. northbohemian schreibt:

    Kennengelernt hab ich den Ingvar bei einem dieser Mittsommerdingsbums… – hier im örtlichen IKEA. Es wurde spät und wir waren sehr betrunken …

    Seitdem unternehmen wir immer mal wieder was zusammen. Das ist die Wahrheit, auch wenn Ingvar das auf Nachfrage natürlich heftigst dementieren wird.

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