Post von Anne Pelzer – oder – wir nähern uns Fitzeks Geheimnis

Seit Minuten klingelt das Telefon: Ingvar.

Ich gehe nicht ran.

Vor mir liegt dieses grüne Schreibheft. Mit meinem Namen drauf. In Handschrift. Ich habe ein libidinöses Verhältnis zu meinem geschriebenen oder gedruckten Namen. Selbst wenn es sich um „Falk Enderleins“ handelt, die nicht mit mir identisch sind (das empfinde ich dann immer irgendwie als eine Form von Diebstahl).

Ich nehme Ingvars Anruf letztlich doch entgegen: „Ich habe Post von Pons … Und ich stehe leicht unter Schock. Ich wünschte mich in ein Erdloch.“

„Reiß dich zusammen. Das haben die anderen auch gekriegt. Irgendwie bist du mit deinem Geschreibsel in die Kartei seriöser Texter geraten.“

„Ja, aber ich war so unvorbereitet. Dabei hätte mich doch schon die Handschrift auf dem Umschlag vorsichtig stimmen müssen. Ich habe sie unter allen Sorten von Licht betrachtet – Kunstlicht, Tageslicht, Röntgenstrahlung, UV-Licht – es ist wirklich eine menschliche Handschrift.“

„Können wir jetzt mal über etwas anderes sprechen?“

„Ja, wir könnten darüber sprechen, dass ich ein extremes Problem damit habe, hinter wörtlicher Rede ein Komma zu setzen. Was peinlich ist, denn wie man es richtig macht, lese ich seit dreißig Jahren in tausenden von Büchern. Ich bin nur zu faul, es mir zu merken.“

„Welchen Text hat sich die Frau Pelzer denn vorgeknöpft?“

„Na, du weißt schon … Den Bericht, wie wir da in Fitzeks Bude rumtoben.“

„Ah! Endlich das richtige Stichwort. Ich habe nämlich den Inhalt der Geldkassette von einem …“

„Ich habe zehn Fehler in diesem Text! Drei Minus! Katastrophe!“

„… von einem Experten überprüfen lassen. Das kann ich dir aber nicht am Telefon erzählen. Du musst herkommen.“

„Ich weiß nicht, ob ich dazu jetzt in der Lage bin“, sage ich.

„Reiß dich zusammen“, sagt Ingvar.

Ich sollte das Thema wechseln: „Wie gehts Ronaldo und Kaká eigentlich?“

„Die schlafen noch. Faule Bande. Die kriegen gleich einen Eimer kaltes Wasser verabreicht. Aber lenk nicht ab: wann kommst du?“

„Ich denke, in einer halben Stunde bin ich da.“

„Gut so. Ach ja … Hast du dir übrigens Frau Pelzers Videobotschaft schon angesehen?“

„Nein, dazu bin ich noch viel zu aufgeregt. Vielleicht morgen.“

„Na gut. Ab in den Bus! Beeil Dich!“

… Fortsetzung hier ->

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Ein Gedanke zu “Post von Anne Pelzer – oder – wir nähern uns Fitzeks Geheimnis

  1. Lieber Falk Enderlein,

    ich wollte Sie wirklich nicht erschrecken….
    10 Fehler sind kein Beinbruch – hat meine Lehrerin immer gesagt.

    Viele Grüße
    Anne Pelzer

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