Sebastian Fitzek greift ins Geschehen ein – Die Jagd nach „Opus Maximum“ – Teil 8

Was bisher geschah: Fast hätten wir es geschafft, meinen Freund Ingvar aus dem Kerker der Schurken von „Opus Maximum“ zu befreien. Doch der Klingelton eines Handys hatte uns verraten und spätestens da hatte ich zu wünschen begonnen, die Menschheit würde in Zukunft ausschließlich mit Hilfe von Rauchzeichen kommunizieren. Nun saßen wir im Büro der Dresdner Filiale von „Opus Maximum“ fest, Thomas Rosenlöcher bereitete sich gerade einen Yogitee zu und es wäre durchaus gemütlich zu nennen gewesen, hätte sich nicht vor unseren Nasen die Mündung einer Maschinenpistole befunden, am Abzug der rechte Zeigefinger Uwe Tellkamps.

Rosenlöcher verlässt mit Teetasse und Mobiltelefon das Zimmer. Wir haben jetzt Zeit, uns das Zimmer anzusehen, in dem einst Karl May geschrieben hat – in dem mittlerweile aber rein gar nichts mehr an ihn erinnert. Wir sind so oder so abgelenkt von einem nervösen Zucken auf Tellkamps Stirn und ich bin mir sicher, dass wir kollektiv hoffen, sein Finger am Abzug möge mehr Ruhe besitzen. Haberers Angstschweiß hat den Weg durch den Pelzmantel gefunden und sein Geruch malträtiert meine Nasenschleimhäute. Ingvar plappert igendetwas auf schwedisch, in einem sehr einlullenden Tonfall, offensichtlich mit dem Ziel einer deeskalierenden Wirkung. Ich wundere mich kurz über die Verwendung des Schwedischen, vermute aber dann – und wie sich später herausstellen soll, vermute ich richtig – dass er es im Sinne eines Zeitgewinns für clever erachtet, das Beherrschen des Deutschen zu leugnen.

Rosenlöcher kommt zurück. Mit seiner Kleidung bringt er kalte Winterluft mit ins Zimmer, die baldigen Schneefall erwarten lässt.

„Fitzek kommt. Mit dem Heli.“ Sein Nuscheln ist kaum zu ertragen. Ich beginne, über die akustischen Konsequenzen des Barttragens im Alltag nachzudenken.

„Er braucht ´ne reichliche Stunde“

Es wird die längste Stunde meines Lebens. Mittlerweile müssen wir alle dringend pinkeln – aber ich vermute, niemand will die Risiken des nervösen Tellkampschen Zuckens bei einem gemeinsamen Toilettenbesuch genauer in Augenschein nehmen. So schwitzen wir es also aus uns heraus, Haberer in der gewohnten (und bereits beschriebenen) unangemessenen und hysterisch übertriebenen Weise.

Dann hören wir endlich das näherkommende vibrierende Geräusch des Hubschraubers. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber offensichtlich befindet sich im Garten hinter dem Haus eine freie Fläche von genügender Größe, so dass der Hubschrauber in unmittelbarer Nähe landen kann. Die Rotorblätter stehen noch nicht still, als ich von meiner Position aus durch das Fenster die in einen dunklen und fast bodenlangen Mantel gehüllte Gestalt Fitzeks aus dem Hubschrauber huschen sehe. Erkennen kann ich ihn – es ist immer noch Nacht – nur deshalb, weil ein Teil des Lichtes aus unserem Zimmer nach draußen strahlt und weil er eine kleine flackernde Lampe vor sich her trägt. Im Hubschrauber hat man jegliche Beleuchtung sofort nach der Landung ausgeschaltet.

Da kommt Fitzek auch schon in Riesenschritten die Treppe hinauf und steht sogleich riesenhaft in der Tür, als habe ihn Murnau da hin platziert. Tatsächlich ist seine Lampe eine, die er auf dem Trödelmarkt erstanden haben muss. Das Licht wird von einer tropfenden Weihnachtskerze gespendet. Langsam geht mir das Zitieren dieser nostalgischen Details auf den Geist. Kutsche, Kerzen … Womit werden sie uns töten, einer Axt?

„Hier sind sie!“, sagt Rosenlöcher. Als wäre das nicht zu sehen.

Fitzek knipst die Deckenbeleuchtung aus (wohl der Dramatik wegen) und tanzt mit seiner Funzel triumphierend um uns herum. Ich finde, der Begriff „diabolisch“ sollte auf Grund seiner inflationären Verwendung aus sämtlichen Wörterbüchern gestrichen werden. Aber bei dem entrückten Lächeln und dem irrlichternden Glanz in seinen Augen fällt mir in diesem Moment selbst kein treffendere Beschreibung ein.

Mit einem Ruck reißt er die rechte Hand in die Höhe – als wäre er ein römischer Kaiser. Gründgens sollte ihn spielen, denke ich. Wenn das hier einmal verfilmt werden sollte. Und wenn Gründgens nicht schon längst tot wäre.

„Thomas, mach den Hundefänger fertig!“

Ich bin verwundert, dass aus seinem Zeigefinger, den er jetzt auf Rosenlöcher richtet, keine todbringenden Laserstrahlen schießen. Rosenlöcher fährt sich verunsichert durch das Chaos seiner Gesichtsbehaarung: „Aber die Regeln, Sebastian … Es heißt doch … Wir müssen die Kutsche …“

Fitzek scheint jetzt an irgendeiner imaginären Speise zu ersticken und als er sich in einem Wutanfall erleichtert, erinnert er nicht mehr an einen römischen Kaiser, auch nicht mehr an Gustav Gründgens, sondern nur noch an einen von Bruno Ganz gespielten Führer: „Kutsche!!! Rosenlöcher! Schau er mal raus! Irgendwann wirds hell. Kutsche!!! So eine Scheiße!“

Dann sinkt er in sich zusammen wie eine Marionette, der man die Fäden durchtrennt hat. Alle Spannung scheint aus seinem Körper zu weichen. Es dauert aber nur Sekunden und schon gibt es einen Ruck durch seinen Körper, er hebt den Kopf, bewegt ihn kurz nach links, dann nach rechts, bis die Nackenwirbel knacken.

In Zeitlupe hebt er sich seine Lampe bis auf ein paar Millimeter Abstand vor das Gesicht, so dass wir seine geflüsterten Worte, wenn wir sie nicht ob der Stille auch so verstehen würden, durchaus in seinem hervorragend ausgeleuchteten Gesicht von den Lippen ablesen könnten.

„Es wird hell, Leute! Und wenn es hell ist, müssen die drei hier unter der Erde sein.“

… Fortsetzung hier ->

sebastian_fitzek_bei_nacht

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