Johannes Heesters hat Geburtstag – oder – ein kurzer Text über kurze und lange Jahrhunderte

Johannes Heesters hat Geburtstag. Seinen 106. In Worten: den Einhundertundsechsten.

So heißt es jedenfalls.

Ich persönlich vertrete ja die Theorie, dass der echte Heesters in den späten 30ern von Goebbels im Streit um die Gunst einer bestimmten UFA-Aktrice um die Ecke gebracht und in einem Potsdamer See entsorgt wurde. Aber mit dieser Meinung stehe ich alleine da.

Wenn Heesters also kein bionisches Experiment ist, dem man ab und zu die Batterien erneuert, sondern tatsächlich der, der er zu sein vorgibt, dann ist er einer der Wenigen, die von sich sagen können, Zeugen dreier Epochen zu sein. Bis zu seinem 11. bzw. 14. Lebensjahr erlebte er noch die letzten Atemzüge des „langen 19. Jahrhunderts“, einer Epoche, der man den Zeitraum von der Französischen Revolution bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs (bzw. und wahrscheinlich naheliegender der Oktoberrevolution) zuordnet.

Das „kurze 20. Jahrhundert“, welches als Epoche mit dem Mauerfall, dem Zusammbruch des Ostblocks und der Entbehrlichkeit des Kalten Krieges endete, erlebte Heesters vollständig.

Dass er, was die Epochen angeht (… und historisch wohlwollend ausgelegt), damit gleichermaßen Zeitgenosse von Johann Wolfgang von Goethe, Adolf Hitler und Lukas Podolski ist, muss als äußerst verstörende Angelegenheit betrachtet werden

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