I Like Birds

Mit Midori hatte ich das Für und Wider in aller Sorgfalt abgewogen und endlos recherchiert. Sollten wir in die natürlichen Abläufe von Werden und Vergehen eingreifen. Durften wir?!

Unser Tatendrang setzte sich gegen unsere Skrupel durch und wir bauten ES. Unser Vogelhäuschen. Na ja, bei meinem handwerklichen Geschick wurde es nur etwas ähnliches wie ein Vogelhäuschen. Überreste des Weihnachtsbaums wurden allerdings in einer derart nachhaltigen Verantwortlichkeit in das Projekt integriert, dass mir das zur Heiligsprechung genügen sollte.

Es handelt sich nunmehr um die latent dadaistische Interpretation einer Finnhütte. Ein handelsüblicher Vogel sollte hineinpassen. Aber was ein Vogelhäuschen unbedingt sein sollte – schnee- und sturmsicher nämlich – ist unseres ausdrücklich nicht. Aber egal …

Wir kauften Vogelfutter: nicht etwa nur die billigen Sonnenblumenkerne, sondern das volle Programm – einen Rieseneimer, drei Kilogramm schwer und randvoll mit fünf Sorten Vogelzeugs.

Wir legten zwanzig Körner in unser Häuschen – mittlerweile habe ich nachgezählt – und da liegen sie nach drei Wochen immer noch. Vollständig.

Zuerst dachte ich, es könne ja durchaus eine Weile dauern, bis die Spatzen und Elstern unseren Gourmettempel finden würden. Dann überlegte ich, ob man eventuell eine Spur legen müsse. Meinetwegen bis in den Alaunpark. Endlich aber bemerkte ich: es gab gar keine Vögel. Wahrscheinlich hatte man sie alle abgeschossen oder vergiftet. Ich glaubte mich einer ungeheuerlichen Verschwörung auf der Spur.

Jetzt darf ich erleichtert Entwarnung geben: vor einigen Tagen habe ich tatsächlich wieder morgendlichen Vogelgesang vernommen und auf der Dachrinne des Nachbarhauses spazierte eine Elster entlang.

Nun warte ich darauf, dass die lieben Vögelchen bald ein paar von meinen zwanzig Körnchen fressen. Sie müssen es einfach. Egal, ob dann schon Frühling oder Hochsommer ist. Und wenn ich dafür einen Trichter nehmen und Gewalt anwenden muss!

P.S. Haben Sie sich schon einmal überlegt, dass Höhenangst keinen Sinn macht, wenn man ein Vogel ist?

P.P.S. Stellt sich bei einem Vogel die für seine Art untypische Höhenangst eventuell dann ein, wenn er sich am Flügel verletzt? Eine Frage, mit der man sich unbedingt beschäftigen sollte und eine der quälendsten der Menschheit überhaupt!

P.P.P.S. Wussten Sie, dass Höhenangst im Kern aus dem gefürchteten minimalen Impuls resultiert, man könne ja einfach von Turm, Hochhaus oder Palme hinabspringen …

P.P.P.P.S. Siegmund Freud würde dazu übrigens meinen (wie bei ähnlichen Zwangsgedanken auch), dass unser Über-Ich das Ich terrorisiert.

P.P.P.P.P.S. In Wahrheit mag ich natürlich Katzen. Ungefähr tausendmal mehr.

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3 Gedanken zu “I Like Birds

  1. northbohemian schreibt:

    … jederzeit, lieber Micha. Wir machen die Dinger mittlerweile auch in Massivgold und Platin. Ich lass Midori schon mal das Werkzeug zusammenpacken.

  2. Mr. Pink Eyes schreibt:

    mir reicht auch eins aus holz. ansonsten laufe ich gefahr, dass mir solch parasitäre arten wie die pleitegeier das fenster einfliegen. außerdem stehe ich auf ökologisch bewusst lebende vögel. die verwöhnten dresdner tauben sollen sich von mir aus auf dem schönen neustädter markt die plautze vollhauen.

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