Fräulein, bitte verbinden Sie mich mit Sergey Brin …

Plötzlich war da diese Idee …

Ingvar hatte mir von Sergey Brin erzählt, einem der beiden Google-Gründer, den er in seinem Milliardärsclub getroffen hatte. Man sollte meinen, sie fräßen sich dort durch metergroße Kaviarkugeln, aber das ist Quatsch. Es gibt ALDI-Toast und Margarine, sie trinken Kamillentee und sogar das Wegwerfgeschirr wird abgespült und wiederverwendet.

So hatte ich also von Sergey Brin erfahren und als ich nun vor ein paar Tagen diesen Traum hatte, fragte ich Ingvar einfach nach dessen Telefonnummer. Er gab sie mir und heute morgen drückte ich dann – mit vor Aufregung zitternden Fingern – die entsprechenden Tasten auf meinem Telefon.

Ich sprach mit mehreren synthetischen Stimmen, bis ich endlich zu ihm durchkam. Er klang entspannt und das nahm mir ein wenig die Nervosität. Man könne doch mittlerweile davon ausgehen, legte ich ihm dar, dass jeder Autor eines Romans eine Kurzfassung seines geplanten Plots vor Beginn jeglicher kreativer Arbeit googeln würde. Einfach um sicher zu gehen, dass es ein ähnliches Werk nicht schon gäbe.

Brin brummte etwas Unverständliches und ich fuhr fort. Wenn man nun jede verwertbare Idee abgreifen, einen mittelmäßig begabten Texter darauf ansetzen und das entstehende Machwerk dann in einer Auflage von … meinetwegen fünf Exemplaren herausbringen würde. Wäre das nicht eine tolle Idee?

„Weiter …“, murmelte Sergey Bin.

Wenn man nun meinetwegen ein Camp von einigen tausend Schreiberlingen bei der Hand hätte – entsprechende Kontakte meinerseits nach China seien schon geknüpft – müsse man doch in der Lage sein, pro forma jedem Bestseller zuvorzukommen und den eigentlichen Autor mit Plagiatsklagen zu überziehen. Eine Lizenz zum Gelddrucken gewissermaßen.

„Darf ich Sie unterbrechen …“, sagte Sergey Bin mit nun deutlich aufgeräumterer Stimme. Ich solle Ingvar die besten Grüße ausrichten und das auf keinen Fall vergessen. Zu meiner Idee: er danke mir sehr für meinen Anruf, über meine etwas naiven Vorstellungen über die vielfältigen Tätigkeitsbereiche von Google müsse er aber schmunzeln. Ein Projekt wie das von mir vorgeschlagene gäbe es doch längst. Mit dreitausend ausgehungerten Hartz-IV-Leuten befinde es sich momentan in der Betaphase. In Neuruppin.

Ich stammelte etwas von wegen, dass ich ihm soviel Zeit geraubt … und … ach … Entschuldigung.

Und legte auf.

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