Die Artefakte der Literaten – Die Jagd nach “Opus Maximum” Teil 13

Was bisher geschah: Ein völlig übermüdeter Sebastian Fitzek hatte uns in den Tharandter Wald gekarrt – direkt zu Lips Tullians Höhle. Was wir dort sollten? Keine Ahnung! Aber auch wir waren mittlerweile ziemlich durch den Wind und – gelinde gesagt – uns war alles egal. Immerhin hatten sich unsere Augen mittlerweile an die Dunkelheit in der Höhle gewöhnt …

Wir befinden uns in Folge 13 dieses absurden Abenteuers und schon alleine diese mystische Zahl bereitet mir Kopfschmerzen. Es hätte also der einsetzenden Migräne gar nicht bedurft. In Fitzeks Gesicht findet gerade eine sehr spannende Fortifikation statt und ich höre nur halb zu, was er da eigentlich gerade erzählt. Ich bekomme mit, dass er seine Pistole beiseite legt und in Friedensabsicht die Hände hebt.

„Setzt euch, Jungs!“ Er zeigt auf ein paar riesige Baumwurzeln, die den vorderen Bereich der Höhle wie die Tentakeln einer Krake durchziehen. Tatsächlich sind diese groß und stabil genug, um bequem darauf zu sitzen.

„Ich lege die Karten auf den Tisch. Gewissermaßen habt ihr mich in der Hand. Hätte ich euch erschießen wollen, hätte ich es da draußen auf diesem elenden Acker tun müssen. Jetzt bring ich´s nicht mehr über mich. Kurz und gut: Ich biete euch die Möglichkeit zur – ähm – partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Wenn ihr ablehnt, lasse ich euch laufen, ich kann nicht anders. Für mich würde dies das Ende bedeuten, sobald die Typen bei Opus Maximum erfahren, dass ihr noch lebt. Ihr würdet als nächstes von mir hören, dass ich in irgendeiner U-Bahnstation einen Schwächeanfall erlitten, aufs Gleis gefallen und so weiter, ihr wisst schon …“

Haberer, der allmählich die Fassung wieder erlangt und sich Erdklumpen aus dem Pelzmantel klaubt, mustert Fitzek mit dem taxierenden Blick des 24/7-Geschäftsmannes: „Zusammenarbeit? Klingt interessant. Worum geht´s denn da, Herr Fitzek?“

Dessen Augenringe berühren mit ihren Unterkanten mittlerweile die Bartstoppeln seitlich seiner blassen Lippen. Mit einer schwachen Handbewegung zeigt er in den hinteren, dunkel daliegenden Teil der Höhle. „Kurz erst einmal zu diesem Ort. Niemand außer Opus Maximum weiß von dieser zweiten Höhle Lips Tullians. Die allen bekannte Höhle wird ja von Touristen überrannt, aber diese zweite … Offensichtlich hatte Lips Tullian wesentlich mehr Juwelen und Goldstücke zu verstecken als bisher angenommen. Sein Geschäft brummte sozusagen und er hat offensichtlich aus diesem Grund diese Filiale hier eröffnet. Wahrscheinlich hat er im Suff dann mal irgendeinem Schreiberling davon erzählt und schon hat Opus Maximum die Krallen nach dieser Immobilie ausgestreckt.“

Fitzek macht eine Pause, kramt einen Kaugummi aus der Innentasche seine Mantels, steckt sich diesen in den Mund und kaut gedankenverloren darauf herum.

„Wo war ich? Ach ja … Irgendwann nach Lips Tullians Hinrichtung, als genug Gras über die Sache gewachsen war, okkupierte Opus Maximum diese zauberhafte Lokalität und lagerte hier das, was sie die magischen Artefakte nennen: Dinge, die von verschiedensten Dichtern hinterlassen worden sind und die – im Zusammenspiel mit einem gewissen Ritual – die Niederschrift des ultimativen Romans ermöglichen sollen. Nur wusste man nie so genau, welche Artefakte die benötigten sind. Man hat also einfach alles gehortet, dessen man habhaft werden konnte.“

„Was denn zum Beispiel?“ fragen wir wie aus einem Mund völlig synchron.

Fitzek knipst wieder an seinem goldenen Feuerzeug herum und winkt uns, ihm in den hinteren Teil der Höhle zu folgen. Von Spinnweben verhangen stapeln sich dort Kisten, Dosen und Gläser. Alles ist mit vor Schimmel und Moder teilweise kaum noch zu entziffernden Zettelchen beklebt. Altdeutsche – mit dem Gänsekiel fabrizierte – Schrift dominiert, einige neuere Objekte sind allerdings schon mit per Laserdrucker angefertigten Standardaufklebern versehen.

Fitzek wühlt ein bisschen herum: „Was haben wir denn da? Ein Stück Draht, mit dem sich Goethe einen seiner paradontösen Zähne im Kiefer festgezurrt hat, ein Stück Holztäfelung mit ein paar Körnchen Blei und etwas Hirnmasse von Hemingway, Thomas Bernhards Motorsäge – mit einem Stückchen Kniescheibe …“

Wir starren voller Faszination in das Halbdunkel.

„Leider nur“, seufzt Fitzek, „sind die richtigen Dinge – wenn ich korrekt recherchiert habe – nicht mit dabei.“

Fortsetzung hier ->

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