Wer ist eigentlich Haberer? – Die Jagd nach „Opus Maximum“ Teil 15

Was bisher geschah: Sebastian Fitzek hatte uns eine tolle Geschäftsidee unterbreitet – etwas unorthodox mitten im Wald, aber egal. Nichts Geringeres als die gemeinsame Suche nach den mystischen literarischen Artefakten – die den sagenumwobenen Roman aller Romane ermöglichen sollten – hatte er uns in Aussicht gestellt. Da wir ganz allgemein und auch in dieser konkreten Situation nichts Besseres zu tun hatten, uns mittlerweile ganz als Abenteurer in romantischster Tradition fühlten, war davon auszugehen, dass wir seinem Vorschlag zustimmen würden. Nun war Haberer in den Fokus des Interesses geraten. Ingvar hatte ihn vor einiger Zeit als Experten für Verschwörungstheorien und Geheimgesellschaften angeheuert. Offensichtlich war dessen Ruhm aber mittlerweile auch bei Sebastian Fitzek angekommen.

Unsere Augen richten sich auf Haberer. Und er beginnt zu erzählen …

„Also gut, Leute. Ich will mein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Tatsächlich kann man mit Fug und Recht behaupten, dass ich – der kleine, versoffene Fridolin Haberer – der größte Experte unter der Sonne bin … jedenfalls was Opus Maximum betrifft.“ Als er das mit „größter Experte unter der Sonne“ sagt, malen seine Hände einen euphorischen Kreis in die Luft.

„Geboren bin ich als Sohn eines persischen Teppichknüpfers und einer schwedischen Pianistin: eine explosive und unheilschwangere Kombination, der ich so schnell wie möglich zu entkommen suchte. Mit dreizehn zog ich von zu Hause aus. Ich streunerte durch die Welt, hier eine kleine Gaunerei, da ein kleiner Diebstahl … Wer weiß, was den Menschen fehlt? Der Dieb! Haha! Ich war in London, als mich – der Zufall unter den Zufällen – der MI6 anwarb. Ich vermute, meine tadellosen Kenntnisse in 27 Sprachen waren ein ausschlaggebender Grund für dieses Interesse des britischen Geheimdienstes an meiner Person. Man verfrachtete mich nach Russland, meine irgendwie slawisch anmutende Phsyiognomie hielt man wohl für außerordentlich passend. Kommt wohl dabei raus, wenn man Perser mit Schwedin kreuzt. Na, keine rassetheoretischen Schwadronierereien hier … Jedenfalls, der KGB übertölpelte mich – oder vielmehr – ich übertölpelte mich selbst. Man war aber in der Lubjanka so nett, mich nicht einfach an die nächstbeste Wand zu stellen, sondern bot mir Gelegenheit zu weitreichender Zusammenarbeit. Man drehte mich – wie man so schön sagt – um und ich wurde Doppelagent. Ich stellte mich insgesamt in den nächsten Jahrzehnten ziemlich trottelig an, was zur Folge hatte – meine 27 Sprachen wirkten überall wie ein Aphrodisiakum – dass ich bald bei allen relevanten Geheimdiensten dieser Welt unter Vertrag stand. Ich spionierte praktisch für jeden und intrigierte gegen jeden – oder umgekehrt. Irgendwann geriet das Ganze dann doch etwas außer Kontrolle. Man plante in Japan, mich aus dem Verkehr zu ziehen und erst als Fischfutter gewissermaßen wieder zu „veröffentlichen“. Ich inszenierte mein eigene Ermordung. Sie können, meine Herren, sich gewiss sein, dass Haberer nicht mein richtiger Name ist. Ich zog mich in die Schweiz zurück und lebte recht nett von meinen Ersparnissen. Irgendwann allerdings langweilte mich dieses Nichtstun und ich erinnerte mich der lyrischen Versuche meiner Jugend. Ich kritzelte ein bisschen vor mich hin – es muss sich ungefähr gelesen haben wie Rilke nach Lobotomie … Dann stieß ich in irgendeinem esoterischen Buchladen auf eine – zugegebenermaßen dilettantische – Schrift zum mir bis dahin unbekannten Geheimbund Opus Maximum. Meine Neugier war geweckt und ich las alles, spürte allem nach, was ich zu diesem Thema finden konnte. Ich belauschte besoffene Autoren sonntagsmorgens bei ihren Monologen auf vollgekotzten Gehwegen, zapfte das Universalwissen ihrer Nutten an etc. etc. etc. Bald – bei aller Bescheidenheit – wusste ich alles, was man über Opus Maximum wissen kann und muss. Meine geheimdienstlichen Erfahrungen ermöglichten mir – trotz oder vielleicht wegen meiner bereits geschilderten Trotteligkeit – die wirklich stichhaltigen Informationen aus all dem Müll und Unrat der gestreuten Gerüchte zu filtern. Und so kann ich mich zurücklehnen und mit der Gewissheit des Experten sagen: Nein, es sind nicht die vergilbten Zehennägel Schillers oder Bertold Brechts ranzige Unterhosen, die man benötigt, um die sieben magischen Artekfakte zu komplettieren – sondern ganz, ganz andere Dinge!“

„Welche?“ Die Frage holpert dermaßen übernächtigt aus dem Mund Sebastian Fitzeks, dass man fast meinen könnte, er spräche in einer fremden Sprache.

„Das ….“, Haberer lächelt, „… sollte doch Teil unserer Vertragsverhandlungen werden.“

-> Fortsetzung hier

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