Tief im Böhmischen II – Die Jagd nach „Opus Maximum“ Teil 18

… der Mann hat die Proportionen eines Fünfjährigen – das aber bei deutlich über zwei Metern Körperlänge. Sein Kopf besitzt Form und Größe einer ausgewachsenen Melone, der Haarwuchs ist limitiert und geht nahtlos in einen fast das ganze Gesicht bedeckenden, stoppeligen Bartwuchs über. Irgendjemand scheint den ganzen Mann einmal ausgiebig gekocht zu haben: Jedes Stück der sichtbaren Haut ist von tiefroten Brandnarben gezeichnet. Das gibt ihm etwas von einem Reptil – und wer weiß, wir sehen ihn nur sehr undeutlich – vielleicht ist er ja eines. Das rechte Auge muss er bei einem Kampf oder einem Unfall verloren haben. Da, wo es einmal gesessen hat, hat sich die Haut zu einem faltigen Strudel verdichtet, verdreht und die Höhle verschlossen. Erwähnt werden muss auch die Nase: Ich nehme an, sie ist einfach weggefault, dafür spricht auch der Geruch, der jetzt zu uns herüberweht. Wenn ich mich richtig erinnere, sind die eingefallenen Nasen ein typisches Symptom der Syphillis. Ich glaube, im Mittelalter pflegte man goldene Prothesen drüber zu setzen – entsprechende Bonität vorausgesetzt.
Das linke Bein ist dick mit fauligem Tuch umwickelt, durch welches rostige Schrauben von moströsen Ausmaßen die Knochen zusammenzuhalten scheinen. Er bewegt es, indem er an einer Kurbel dreht, die nach außen aus dem Knie herausragt. So kommt er nur langsam vorwärts und wogt dabei hin und her wie ein verwundeter Grizzlybär. Dabei irritiert ein wenig seine Kleidung (oder tut sie es gerade nicht?), die an einen viel zu groß geratenen Strampelanzug erinnert, irgendwann sicher einmal von weißer Farbe gewesen, mittlerweile von unzähligen Flecken bedeckt, die mit Sicherheit alle möglichen Farbtöne von Tiefschwarz über Blutrot bis zu Schwefelgelb zitieren. Zusammengehalten wird der eigenwillige Anzug von einem breiten purpurfarbenen Gürtel, dessen vergoldete Plastikschnalle mit ausgestanztem Relief „Viva Las Vegas“ verkündet.

„Die Herren sind auf der Durchreise nach Prag?“ Mit einem triefendnassen Tuch wischt er unseren Tisch ab.

Wir murmeln eine kleinlaute Zustimmung. Letzlich ist es dann Sebastian Fitzek, der sich einen Ruck gibt und sein iPhone zückt: „Dürfte ich vielleicht … ähem … ein Foto von Ihnen machen?“

… to be continued

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